Sonntag, 16. August 2009

Wie man Probleme löst, die man vorher nicht hatte

Schon 2 Wochen her, dass ich hier das letzte mal auf der Bank zwischen den Wohnheimhäusern gesessen habe, um euch von meinen Dänemarkerfahrungen zu berichten. Allzu langweilig ist mir bisher also nicht geworden. Und eigentlich wollte ich mir jetzt mit dem anderem deutschen Mädel, welches noch die nächsten 2 Wochen auf meinem Flur wohnt, ein Wohnheimkanu ausleihen und über den See schippern, der gleich vor unserer Haustür liegt. Leider ist das daran gescheitert, dass die Boote, zu denen wir die Nummer der Zahlenschlösser raus gefunden haben, schon reserviert waren und von den Leuten, die schon Erfahrungen mit den Bootausleihen haben oder die die dänischen Zettel im Kanukeller verstehen würden, keiner mitkommen wollte. Also haben beschlossen die Aktion zu verschieben auf einen Tag, an dem noch ein erfahrener Bootausleiher mitkommen möchte.

Inzwischen sitze ich auch nicht mehr auf der besagten Bank, sondern schon in meinem Zimmer. Ich musste meinen Bericht unterbrechen, da uns ist eingefallen, dass wir ja noch ein Alternativplan für den Sonntag Nachmittag hatten, den wir spontan noch schnell umgesetzt haben. Nicht weit von meinem Wohnheim gibt es ein Freiluftmuseeum mit ca. 100 Wohn- und Farmhäusern, Windmühlen, … aus dem Zeitraum von 1650 bis 1940. Angeblich sollen an Wochenende da auch Leute in entsprechenden Klamotten herum laufen, aber von denen haben wir keine gesehen. Vielleicht weil das Gelände so groß ist oder wir recht spät dran waren oder die gerade Ferien machen.

Und was hab ich sonst so in den letzten 14 Tagen gemacht? Nun, neben Zeugs auspacken, den Staub der letzten 3 Monate aus meinem neuen Zimmer wischen, verschiedene Wege zur Arbeit finden, einigen Nettobesuchen, Pläne für die nächsten Tage schmieden und jede Menge neue Leute kennen lernen (wie soll ich mir nur die ganzen Namen merken?), habe ich mal wieder festgestellt, wie prima ich mich beschäftigen kann, wenn eigentlich gar keine Beschäftigung da ist. Arbeitstechnisch hatte ich Freitag eigentlich gar nichts mehr zu tun. Da irgendwelche Leute Mittwoch angefangen haben, was am Server herum zu fummeln, was ungefähr eine Stunde dauern sollte. Aus meiner unwissenden Perspektive sieht es so aus, als hätten sie dabei mehr Probleme geschaffen, als sie gelöst haben. Jedenfalls war das Resultat des Ganzen, dass der Server am Freitag immer noch nicht lief und ich nicht an meine Dateien ran kam. Und mit allen mehr oder weniger sinnvollen Alternativaufgaben, die mir eingefallen sind, hatte ich mich schon Mittwoch und Donnerstag beschäftigt. Also habe ich Freitag beschlossen, mir ein neues Ubuntu auf den Rechner zu packen, weil mein bisheriges eine ziemlich alte Version ist und das neue natürlich viel besser und schöner und bunter ist :-). Bisher war das zwar egal, da ich eh immer Windows benutzt habe, aber jetzt habe ich doch hin und wieder Gründe, mit Linux auf zu arbeiten und kann die Chance vielleicht dazu nutzen, mich mal ein wenig daran zu gewöhnen.

Nach vielem mich schlau lesen und einem fehlgeschlagenen Versuch hab ich es dann auch tatsächlich geschafft, das schicke neue Ubuntu zu installieren. Auch mir ist es dabei gelungen mehr Probleme zu schaffen, als zu lösen. Ist das immer so, wenn man einen Computer bedient? Mein großer Erfolge besteht darin, dass mein Windows nun nicht mehr erkennt, ob das LAN-Kabel angeschlossen ist. Der Zusammenhang ist mir völlig schleierhaft. Da ich den Rest des Freitages aber mit dem Versuch verbracht habe, das Problem zu lösen, damit ich auch wieder unter Windows ins Internet komme, weiß ich inzwischen, dass auch andere Windows-Linux-Nutzer schon über dieses Problem gestolpert sind. Nur die Lösung dazu habe ich noch nirgends gefunden. Nach der werde ich mal wieder suchen, wenn ich keine Lust habe euch mit meinen Computerproblemen zu nerven.


Das zweite größere Projekt, dem ich mich gerade widme, ist die in Gang Setzung eines Fahrrads. Einer der Kopenhagener IAESTE-ler hat letztes Wochenende seinen Fahrradschuppen aufgeräumt und rumstehende Fahrradleichen - vermutlich Überbleibsel ehemaliger Praktikanten - an bedürftige neue Praktikanten verschenkt. Da ich praktischer Weise gerade Eltern mit Auto zu Besuch hatte, haben wir auch eins abgeholt. Problem: „Ich will ein Fahrrad“ gelöst; Problem: „Wie kriege ich das Rad in einen fahrfähigen Zustand“ geschaffen.

Dieses neue Problem unterteilt sich nun wiederum in mehrere Teilprobleme.

Aufgabe 1: Schloss knacken

a) Werkzeug besorgen: Erledigt. Habe von meinem Betreuer Bolzenschneider und Eisensäge geliehen bekommen.

b) Schloss knacken als Vorgang an sich: Erledigt. Hat mich allerdings 3 Abende gekostet. Dienstag habe ich noch mit dem Bolzenschneider direkt neben dem Fahrradschuppen rumhandtiert und mit einem etwas unguten Gefühl darauf gewartet, dass einer der Fahrradabholer/-absteller oder ein Ausdemfenstergucker mich fragt, was ich da eigentlich mache. Aber wahrscheinlich haben die mir sofort alle meine Unfähigkeit angesehen und sich daher keine Sorgen um ihre oder andere Räder gemacht. Nach mehreren Stunden verzweifelten Bemühens, dachte ich mir, es wird zu peinlich, wenn die nächsten Tage da immer noch an dem gleichen Schloss rumknacke und habe meine kriminelle Tätigkeit in mein kleines Zimmer verlegt. Gestern Vormittag ist es mir dann endlich gelungen, nachdem ich schon 3mal aufgegeben und dann doch wieder angefangen hatte.


Aufgabe 2: Schlauch und eventl. Mantel vom Hinterrad wechseln

a) Schlauch kaufen: Erledigt und dabei gelernt, dass man hier sogar in Fahrradläden eine Nummer ziehen muss, um ran zukommen.

b) Hinterrad abbauen: Scheitert momentan daran, dass ich die verrostete Schraube nicht locker kriege.

c) Schlauch wechseln: Scheitert an 2.b)

d) Hinterrad wieder einbauen: Bin ich noch sehr weit von entfernt


Aufgabe 3: Kette und Zahnräder von Dreckverkrustungen befreien, so dass sich das Ganze bewegen lässt: teilweise erledigt.


Zusatzaufgabe: Licht anbringen


Alternativaufgabe zu 2, 3 und Zusatzaufgabe: Rad zum Fahrradladen bringen.


Solange ich diese Aufgaben noch nicht erfüllt habe, strampel ich noch mit meinem kleinen Klappfahrrad in 45min zur Arbeit (was mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch nicht schneller gehen würde). Immerhin habe ich da nach 2 Tagen schon raus gefunden, wie ich die Gangeinstellung ändere, so dass ich nicht nur Gänge zur Verfügung habe, die ich normalerweise höchstens zum bergauf fahren einstellen würde. Mensch, ich bin schon ein ziemlicher Fahrradprofi :-D.

So jetzt wisst ihr schon ziemlich gut, womit ich meine Zeit hier verbringe. Zwischendurch war auch noch 2mal Grillen angesagt (mit IAESTE und Kollegen). Nächsten Dienstag ist auch wieder IAESTE-Grillen und danach geht es, wie jeden Dienstag, in den Studentenkeller in dem man Bier und den leckeren Cider, den ich total gerne mag, für vergleichbare günstige 3€ bekommt.

Außerdem läuft momentan noch eine Freiluftkinoreihe. Jede Woche an einem anderen Ort und letzte Woche waren die in Charlottenlund, also da, wo ich arbeite und ich habe mir zusammen mit ein paar anderen Praktikanten „Revolutionary Road“ angesehen. Muss man nicht unbedingt gesehen haben (hat ziemlich wenig Handlung, dafür wird aber viel geredet), viel spannender war das ganze Ambiente -direkt am Wasser – und die Dänen zu beobachten, die es sich dort teilweise schon einige Stunden mit Decken, Picknickkorb und Einmalgrill gemütlich. Unsere Gruppe, war daran zu erkennen, dass wir weder Schlafsäcke noch Kissen, noch Klappstühle, noch Grill dabei hatten. Aber Glückskeks Kristin hat bei den Werbeleute von Tuc die Glückskekspackung gezogen, mit der ich die Entleihung eines riesigen gelben Kissens gewonnen habe, auf dem es sich 3 Leute gemütlich machen konnten ohne einen kalten Arsch zu kriegen. War prima. Und die Massen der Radfahrer Fahrradsuchen und heimradeln zu beobachten, war auch sehr interessant.

Ohje, jetzt hab ich schon wieder so viel geschrieben und habt bestimmt schon 3mal runter gescrollt um zu gucken, wo den endlich Schluss ist. Langsam sollte ich auch mal ins Bett. Da werde ich zum Besuch meiner Eltern, die letztes Wochenende mit einem Auto voller Süßigkeiten, Alkohol und guten edener Erzeugnissen angereist sind, mal nichts mehr schreiben und statt dessen in den nächsten Tagen ein paar Bilder davon in den Blog stellen.


Ich wünsche euch eine gute Nacht und gebe mir Mühe, das mit den Bildern bald zu machen.

Ach und danke noch, für die vielen Mails und nicht böse sein, dass ich manche noch nicht beantwortet habe.


Kristin

1 Kommentar:

  1. Genau so ist das mit den Computern. Das ist der Grund, warum wir Informatiker immer Arbeit haben werden und oft genug selbst dran verzweifeln.
    Wer auch immer diese Höllenmaschinen auf die Menschheit losgelassen hat muss einen ziemlich miesen Charakter haben.

    Ollbert

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