Sonntag, 16. August 2009

Mail vom 02.08.

Hallo ihr Lieben,

ich hab es geschafft, ich bin in Kopenhagen angekommen und habe gestern Abend mein Wohnheimzimmer in Lyngby bezogen. Um Internetzugang muss ich mich zwar noch kümmern, aber vielleicht kann ich heute schon mal Internet von einem Nachbarn benutzen um euch die „Alles ist gut“ E-Mail zu schicken und zu gucken ob mir die vor-Ort-IAESTEler noch Infos zu meinen ersten Arbeitstag morgen geschickt haben.

Ach ja, falls es bei irgendjemanden noch nicht angekommen sein sollte: Ich bin jetzt für 3-5 Monate in Kopenhagen und mache hier ein Praktikum an der Technischen Uni - Aqua. Was ich da genau machen werde, erfahre ich vermutlich innerhalb der nächsten Woche, bisher weiß ich, dass es um Strömungsmodelle von Plankton geht.

Die zweite wichtige Info ist, dass ich am 21.07. meine letzte Diplomprüfung bestanden und letzten Dienstag meine Diplomarbeit abgegeben habe. Die Verwandtschaft darf jetzt also aufhören sich Sorgen zu machen. :-)

Nach einer tollen Party am Freitag Abend/ Samstag Morgen (Danke an Max und die anderen Veranstalter, deren E-Mail-Adressen ich nicht habe), bei der ich noch ein paar Leute abschiedsdrücken konnte, habe ich mich dann gestern früh von meinem Privattaxi nach Berlin fahren lassen (Danke Toni fürs Fahren und Winken und Danke Manu fürs Toni-zum-Fahren-überreden und auch fürs Winken ;-)) und den Bus nach Kopenhagen bestiegen. (Schöner Klammer-Schachtelsatz :-) )

Zum aufgeregt sein war ich dann doch zu müde und so habe ich den größten Teil der Fahrt mit Schlafen verbracht. Dass wir irgendwann an der Ostsee angekommen sind, habe ich an der gestiegenen Marienkäferdichte gemerkt. Von denen haben es sich auf der Fähre auch gleich 2 je auf einer meiner Schuhspitzen gemütlich gemacht und gemeinsam habe wir die Käfereskorte auf der anderen Seite des Fensters beobachtet. Von den in der Zeitung beschriebenen fiesen Charakterzügen der kleinen Tierchen konnte ich dabei nichts entdecken, aber vielleicht haben die beiden auf meinen Schuhen sitzenden, heimlich ihre nicht an Bord gekommenen Artgenossen hämisch angegrinst. Als die dann außer Sicht waren und es sonst nichts mehr spannendes zu beobachten gab, haben wir 3 uns zu einem Mittagsschläfchen zusammen gerollt und haben uns nicht mehr groß gerührt, bis dänisches Land in Sicht kam. Dann haben wir uns verabschiedet und ich bin wieder zu meinem Bus gegangen.

Im Bus habe ich dann die magischen Eigenschaften meiner Tasche entdeckt. Vielleicht hat der eine oder andere schon den aktuellen Harry Potter Film gesehen. Ich wurde Donnerstag noch von meinen Eltern ins Kino eingeladen. Da gibt es jedenfalls einen Schrank, in den man Dinge legen kann und die verschwinden dann. Das gleiche hat meine Tasche mit meinem Portemonnaie (incl. Ausweis und Visa/EC-Karten) gemacht. Ich habe versucht nicht allzu nervös zu werden, noch mal in der ganzen Tasche nachgeguckt und dann beschlossen, zu meinem Fährplatz zurück zu gehen und zu schauen, ob es irgendwo raus gefallen ist. Schnell noch den Busfahrern bescheid gegeben, die uns vor dem Erreichen der Fähre noch ermahnt hatten, dass wir nicht zu spät wieder zum Bus kommen sollen, weil der nirgends warten kann, wenn wir das andere Ufer erreicht haben.

Auf der Fähre habe ich leider kein Portemonnaie gefunden und von dem aufräumenden Personal hatte es auch keiner gesehen. Hmm, schön blöd. Viel Zeit für weitere Recherchen blieb aber nicht. Mein Bus hatte inzwischen schon die Fähre verlassen und ich bin ihm an der Schlange der ausfahrenden Autos mit jeder Menge Adrenalin im Blut hinterher gerannt. Nach einem 200m Sprint in persönlicher Bestzeit habe ich den Bus auf einem Seitenstreifen parken sehen und einer der netten Busfahrer war mir auch schon ein Stück entgegen gekommen.

Zurück im Bus, habe ich ein paar Minuten später dann noch mal in meine Tasche geschaut (keine Ahnung warum) und da lag oben auf mein Portemonnaie. Hmm? Der Harry-Potter-Schrank konnte verschwundene Dinge auch wieder zurück schicken. Ich glaube, meine Tasche arbeitet nach einem ähnlichen Prinzip. Hoffentlich hat sich der Busfahrer nicht all zu viele Sorgen um mich gemacht. Mir war es dann doch zu peinlich, ihm zu berichten, dass das Portemonnaie wieder aufgetaucht ist und ich hielt es für unwahrscheinlich, dass ich ihn von den Zaubereigenschaften meiner Tasche überzeugen kann.

Der Rest der Fahrt verlief dann recht ereignislos. Beim Aussteigen habe ich tatsächlich noch den anderen Potsdamer im Bus identifiziert, von dessen Fahrt nach Kopenhagen ich Freitag Abend zufällig noch gehört hatte. Der wurde aber gleich von seiner Tandempartnerin entdeckt, so dass wir nicht viel Zeit zum Informationenaustausch hatten. Mein Abholer war nicht ganz so gut informiert, aber nach ein paar mal hin und her telefonieren, habe ich ihn schließlich gefunden und er hat mich in mein neues Zuhause (Wohnheimzimmer) gebracht.

Im ersten Moment waren wir beide etwas verwirrt, von dem ganzen Zeugs, dass da noch im Zimmer lag, aber dann haben wir einen Zettel gefunden aus dem hervor ging, dass ich das Zimmer zur Zwischenmiete habe und der Bewohner noch etwas Kram da gelassen hat.

Das Wohnheim hat T-Heim-Charakter. Es ist ein etwas älterer Jahrgang und es gibt eine Gemeinschaftsküche, die man sich mit ca. 20? (wie viel genau, habe ich noch nicht rausgefunden) Leuten teilt. Dadurch scheint es auch recht gesellig zu sein. Der erste Däne, den ich in der Küche getroffen habe, hat mir erst mal grob das Küchensystem erklärt und mir geholfen, einen freien Kühlschrankplatz zu finden. Der wusste auch gleich bescheid, dass ich deutsche bin, denn mittlerweile gibt es davon 3 auf dem Flur und da versuchen die Dänen über unsere Invasionspläne auf dem Laufenden zu bleiben.

Den Kühlschrank mit den geheimen Biervorräten habe ich auch schon entdeckt. Jetzt muss ich mir noch einen Schlüssel dazu besorgen :-)

Auf meiner kleinen Spazierrunde heute, habe ich noch den nächstgelegenen Netto ausgekundschaftet und auf dem Weg zurück einen kleinen Uferweg entdeckt, der mir sofort für gute Joggingvorsätze geeignet schien. Allerdings scheinen das alle laufaktiven, in der Nähe wohnenden Kopenhagener auch so zu sehen und als einfacher Spaziergänger habe ich mich von den vielen Joggern etwas gehetzt gefühlt und fast ein schlechtes Gewissen gekriegt, einfach nur so umher zu spazieren. Ins Schwitzen gekommen, bin ich bei dem warmen Wetter aber auch so.

So, ich mach jetzt erst mal Schluss, sonst hat keiner mehr Lust die Mail zu lesen. Ich weiß ja, wie abschreckend lange Texte sind. Außerdem ist die Sonne weg und meine Zimtschnecke, in die ich heute die Hälfte von Gundis Startkapital investiert habe, alle und ich bin grad neugierig, wo die Musik herkommt, die auf den Innenhof des Wohnheims schallt.

Das nächste mal gebe ich mir Mühe den Text mit ein paar Bildern aufzulockern. Landschaftlich ist es hier aber lange nicht so ansprechend, wie in meinem kleinem norwegischem Kaff.

Bis zur nächsten Nachricht.


Liebe Grüße,

Kristin

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